Kroatien 2012

Voll bepackt steht die K vor der Haustür zur Abfahrt bereit. Die erste Etappe führt, wie so oft, in mein zweites Zuhause nach Buching im Allgäu. Zunächst einmal am Rhein entlang bis Bingen. Dann geht es nach einer kurzen Autobahnetappe weiter am Neckar entlang bis Reutlingen und von dort über Biberach und Kempten nach Buching. Die Temperaturen sind sommerlich, in Kroatien soll es noch heißer sein. Schon kommt die Frage auf, ob Norwegen in dieser Hitzeperiode nicht ein besseres Reiseziel gewesen wäre.

Und dann der typische Sommereffekt. Es ist Abend und je näher man den Alpen kommt, umso kühler wird es, aber das Thermometer zeigt immer noch 27°. Bei Kempten friert es mich dann schon richtig. Eigentlich unglaublich, dass das Empfinden einem einen solchen Streich spielen kann. Diesen Bericht schreibe ich gerade kurz vor Weihnachten. Es ist heute mit 11° relativ mild. Bei einer kurzen Motorradtour hatte ich schon fast Sommergefühle.

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Mediterane Leichtigkeit und die Melancholie dunkler Wälder. In Kroatien liegt beides eng beieinander. Durchaus auch mit den bedrückenden Eindrücken eines Bürgerkrieges der erst wenige Jahre zurück liegt. Umso wichtiger ist es den Urlaub zu planen und zumindest eine Vorstellung davon zu haben was einen erwartet.

Mitte der 80-ziger Jahre haben wir in München gewohnt. Das damalige Jugoslawien war fast so etwas wie ein Wochenendziel.  Dann kam der Krieg und wir waren inzwischen nach Bonn gezogen. Die östliche Adria hatte ihren Reiz verloren. Viele Jahre vergingen, bis wir das nun neu entstandene Kroatioen wieder als Urlaubsziel entdeckten. Auf den Inseln, allen voran Cres, war von den Problemen auf dem Festland nichts zu spüren. Gelegentlich hörte man es abends donnern, aber das war kein Gewitter. Es erschreckt mich noch heute, wie wenige Kilometer das Urlaubsparadies von der Hölle trennten.

Inzwischen ist das alles lange vorbei und Kroatien steht kurz vor der Aufnahme in die EU. Wir haben das zum Anlass genommen, wieder einmal etwas ausführlicher Land und Leute zu erkunden. Nach ein paar Tagen der Entspannung in Osor auf der Insel Cres sollte es über Krk, Zadar und Split nach Dubrovnik gehen. Von dort weiter über Albanien mit der Fähre nach Brindisi und dann auf dem Landweg zurück nach Bonn.

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Cres ist seit vielen Jahren eines unserer beliebtesten Urlaubsziele. Als die Kinder klein waren, war vor allem der Campingplatz in Osor beliebt, da dieser nahezu in den kleinen Ort integriert war und eine interessante Alternative zu den riesigen, anonymen Autocamps in anderen Teilen Kroatien darstellte. Bei den Kindern damals besonders beliebt: Die Drehbrücke über den Kanal, der Cres und Losinj trennt. Nicht nur, dass man von dieser Brücke in den Kanal springen kann. Nein, morgens und nachmittags wird die Brücke geöffnet und dann fahren Jachten aller Größenordnungen durch den Kanal.

Dieser Campingplatz soll für die nächsten Tage wieder unser Basislager sein um von hier Kanutouren zu machen oder mit dem Motorrad die Gegend zu erkunden. Ein Schlauchboot und ein Faltboot hat meine Tochter im Auto dabei. Manchmal doch nicht so übel so eine Konservendose.

Aber noch sind wir nicht in Osor. Zunächst einmal geht es auf der einzigen Straße von der Fähre aus in Richtung Süden. An ein Überholen der vielen Wohnmobile ist nicht zu denken und so entschließen wir uns, bei der ersten Gelegenheit die Hauptstraße zu verlassen und zuerst einmal eine Pause in Beli einzulegen. Der Weg dorthin ist sehr schön und bietet einen tollen Blick auf die Inseln der Kvarner Bucht. In diesem Gebiet findet sich eine der wenigen freilebenden Gänsegeier-Kolonien Europas. Bei früheren Besuchen haben wir sie jedesmal am Himmel kreisen sehen. Ob es diesmal wieder so ist? Leider haben wir diesmal kein Glück. Nur ein einzeler Geier zeigt sich für kurze Zeit. Dafür ist es dann in der Hafenbar des kleinen Örtchens Beli umso schöner. Trotz Urlaubszeit nur wenige Besucher und kristallklares Wasser zum Baden.

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Groß ist die Insel ja nicht und so kann man von Osor in ein bis zwei Stunden fast jedes beliebige Ziel erreichen. Heute ist ein Besuch in Lubenice geplant. Von Osor aus geht es zunächst auf der Hauptstraße in Richtung Cres. Da es kurz vor Mittag ist, sieht und riecht man am Straßenrand in Belej schon den Grill mit einem knusprig braunen Spanferkel. Wenige Kilometer vor Cres zweigt es dann links ab nach Lubenice. Zunächst folgt man einer gut ausgebauten Straße mit schönem Blick über die Bucht von Cres um dann auf immer kleiner werdende, zwischen alten Steinmauern verlaufende Straßen abzubiegen. Inzwischen ist es unerträglich heiß, das Thermometer zeigt fast 45° an. Der Klapphelm bleibt auf und das Zirpen der Grillen ist lauter als der Motor. Ein typischer Mittelmeer-Sommertag also.

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Jetzt geht es weiter. Heute wollen wir Leonies Freundin am Flughafen auf Krk abholen und dann weiter nach Rab fahren. Nach einer kurzen Fährfahrt sind wir zu früh am Flughafen und legen eine Pause in Omisalj ein. Ein hübscher Ort, leider mit einem hässlichen  Industriegebiet an der Küste. Nach kurzem Aufenthalt am Flughafen geht es weiter die Küstenstraße entlang nach Süden. Immer wieder faszinierend sind die total verkarsteten Ostküsten der Inseln. Nichts, aber auch gar nichts wächst hier. Weißer, ausgewaschener Kalkstein soweit das Auge reicht.

Dorfplatz in Omisalj auf Krk

Palmenpracht in Krikvenica

 

Inselwelt im Gegenlicht

 

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Wenn man von der ruhigen und gepflegten Insel Cres kommt, ist Rab ein Kulturschock. Überlaufen von Urlaubern und Campingplätze bei denen man glaubt, in ein Flüchtlingslager geraten zu sein. Es war wohl das erste mal in fast 40 Jahren auf einer Motorradtour, dass ich nicht wegen des Wetters ein Hotel aufgesucht habe, sondern weil ich das Kotzen beim Anblick der Campingplätze bekommen habe. Ja, ich muss es so drastisch ausdrücken. Und es ist noch untertrieben.

Der Ort Rab selbst ist sehr schön. Natürlich spürt man auch hier den Massentourismus, aber die vielen schönen Gassen und Plätze versöhnen einen schnell wieder mit der Insel. Wahrscheinlich ist es einfach nur dumm, in der Hochsaison auf eine der bekanntesten Inseln zu fahren.

Ein ruhiger Sommer-Morgen am Hafen von Rab

 

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Am Nachmittag verlassen wir Rab. Die Insel ist zu klein zum Motorradfahren und zu überlaufen um die Landschaft genießen zu können. So begeben wir uns wieder auf die wunderschöne Küstenstraße und fahren immer weiter nach Süden. Das hohe Küstengebirge zur Linken und die schneeweißen Inseln auf der rechten Seite hinterlassen bleibende Eindrücke.

Aber ganz ehrlich: Die Strecke ist schön für’s Cabrio oder vielleicht für einen Cruiser. Die Landschaft ist herrlich, aber eine Begeisterung wie in Sardinien oder Korsika will nicht aufkommen. Zu viele Geschwindigkeits-begrenzungen und oft lange gerade Strecken sind vielleicht etwas für den ruhigen Harley-Fahrer, eine K1300 will aber auch mal etwas zügiger gefahren werden und dazu bietet sich keine Gelegenheit. Ich bin ganz froh als wir im ruhigen Starigrad ankommen und das Zelt für einen etwas längeren Aufenthalt aufbauen. Von hier lassen sich schöne Touren ins Hinterland, auf die Insel Pag oder nach Zadar unternehmen.

 

An der Küstenstraße bei Karlobag. Im Hintergrund die völlig kahlen, verkarsteten Inseln

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Die Temperatur ist über Nacht ziemlich gesunken. Ohne Lederjacke würde es jetzt am Morgen recht kühl werden. Nach der Hitze der letzten Tage ist es wie eine Befreiung und Motorradfahren macht wieder Spaß. Auf geht’s nach Pag. Etwas Wind kommt auf und das Meer kräuselt sich. Erstes Ziel ist die Brücke von Maslenica. Hier haben die Kämpfe in den 90-ziger Jahren ziemlich getobt. Immer noch sind die zerschossenen Bunker zu sehen. Ein bedrückendes Gefühl, an einer Stelle Urlaub zu machen, wo vor wenigen Jahren noch Menschen im Krieg gestorben sind.

Verdammt hoch und ideal für Bungee-Jumper. Ich könnte mich dazu nicht überwinden.

 

Schlichtes Brückendesign in karger Landschaft

 

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Die gestrige Abkühlung und das gekräuselte Meer waren Vorboten eines extremen Wetterwechsels. Über Nacht kam Sturm auf. Der kalte Fallwind, die Bora. Das Zelt von Leonie und Helen war kaum noch als solches zu erkennen. Eigentlich sah es aus wie einflach am Boden liegender Sack in dem sich zwei Gestalten bewegten. Unser Zelt war zwischen Bäumen abgespannt und hielt den Wind dadurch besser aus. An Motorradfahren war heute nicht zu denken, also beschlossen wir uns mit ins Auto zu setzen und Zadar einen Besuch abzustatten.

Die Stadt hat einen hübschen Altstadtbereich und einen weniger einladenden Bereich dem man die Bausünden der kommunistischen Ära ansieht.

 

 

Anfangs waren noch alle Straßencafes gut besucht, aber gegen Mittag wurde der Wind immer stärker und die Temperaturen sanken. Plötzlich waren wir fast die einzigen Gäste die sich noch draußen aufhielten. Der Wetterbericht sagte nichts gutes für die Region um Zadar voraus und so fingen wir an unsere sofortige Abfahrt nach Süden zu planen. Aber nach etwas Internetrecherche wurde uns klar, dass es dort nicht nur stürmt sondern auch noch regnet. Und das wohl für die ganze nächste Woche. Erstaunlicherweise sollte es weiter im Norden, also in Norditalien besser sein. Also ging es erstmal zurück zum Campingplatz um zu warten wie sich das Wetter entwickelt.

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Die Nacht war noch stürmischer als die letzte. Dazu kalt und regnerisch mit Blitz und Donner. Am Morgen fiel die Entscheidung leicht, die Fahrt nach Süden abzubrechen und in der Gegend zwischen Triest und Venedig die Wärme zu suchen. Nachdem wir bei Sturm die Zelte abgebaut und alles verstaut haben, machen wir uns auf den Weg. Ich kann das Motorrad kaum auf der Straße halten. Nach 5 km dann Polizei und Vollsperrung für Wohnmobile und Motorräder.

Jetzt ist guter Rat teuer. Was tun? Meine Frau steigt um ins Auto um mit den Mädchen nach Grado bei Triest zu fahren. Ich werde versuchen auf die Autobahn zu kommen und um mich dann durchs Hinterland ebenfalls nach Grado durchzuschlagen.

Gesagt getan. Das Auto fährt weiter, ich fahre zurück. Die Stunde Pause hat gereicht um den Sturm weiter auffrischen zu lassen. Die 5 Kilometer bis Starigrad fordern höchste Konzentration und mehrfach werde ich selbst bei Fußgangertempo um eine ganze Fahrbahnbreite versetzt. Zwei Fahrradfahrer kleben im wahrsten Sinne des Wortes an der Leitplanke und kämpfen sich zu Fuß durch. Südlich von Starigrad wieder Polizei und Vollsperrung. Die Autobahn ist gesperrt, diesmal auch für PKW. Nichts geht mehr. Wer nicht in Starigrad bleiben will, muss Richtung Zadar fahren. Kilometerlang geht es am Stau vorbei und jeder Versuch ins Hinterland zu kommen scheitert an der Polizei. Erst kurz vor Zadar kann ich nach Osten abbiegen und an einem bestimmt 30 km langen Stau vorbei in die Berge fahren. Dort oben ist es kalt, knapp 12° und ich schalte die Griffheizung ein. Welch Unterschied zu den 43° vor zwei Tagen.

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Es regnet leicht, aber der Wind ist hier im Innern Istriens kaum noch zu spüren. So nehme ich mir Zeit abseits der großen Straßen mir noch unbekannte Gegenden zu erkunden. Die Landschaft hat den italienischen Flair aus der vergangenen Jahrhunderten bewahrt. Eigentlich ist es die Halbinsel wert, hier einmal mehrere Tage Motorrad zu fahren. So, jetzt kommt das letzte Bild aus Kroatien. Der geplante Urlaub ist vorbei, aber er geht ungeplant und im Nachhinein sehr schön in Italien weiter.

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Der Urlaub war schön. Kroatien ist immer eine Reise wert und ich werde gerne wieder kommen. Aber mit dem Wohnmobil und meinen Spielzeugen. Ein Aktivurlaub mit Mountainbiken, Paddeln oder Wandern passt zu diesem Land, speziell zu den Inseln. 

 

Um Motorrad zu fahren kann man sich besseres vorstellen. Das schreibe ich nicht wegen des Wetters, das kann einem immer und überall passieren. Ein bisschen hat der Sturm sogar für Spannung gesorgt. Es ist das fehlende Fahrerlebnis an der Küstenstraße, es ist die Einsamkeit des Hinterlands, es sind die omnipräsenten Architektursünden der kommunistischen Zeit vor allem im Hinterland und in den Städten auf dem Festland.

Für uns Motorradfahrer ist der Weg das Ziel. Schöne Kurven, interessante Orte und das Gefühl frei zu sein. Klar gibt es Verkehrsregeln und natürlich beachten wir sie, aber doch immer mit einer gewissen Toleranzgrenze. An der Küstenstraße hat man immer ein schlechtes Gewissen wenn man diese Toleranz etwas großzügig in Anspruch nimmt. Der gute Ausbau der Straße tut sein übriges. Nein, nur die faszinierende Karstlandschaft zu betrachten bringt es nicht wirklich. Wer über die Alpen kommt hat schon jede Menge Highlights hinter sich. Italien mit seiner immer wieder faszinierenden Verkehrsanarchie tut sein übriges. Danach in das biedere Kroatien zu kommen ist in etwa so, als wenn man nach einer feucht-fröhlichen Feier gegen Morgen auf alkoholfreies Bier umsteigt, weil man unbedingt und mit aller Vernunft selbst nach Hause fahren will.

Istrien und Cres möchte ich explizit von dieser Beurteilung ausnehmen. Eine herrliche Landschaft und schöne Straßen laden im Bergland zum Erkunden ein. Städtchen wie Osor oder Mali Losinj (Bilder unten) lassen einen zur Ruhe kommen und den Süden genießen. Aber es halt nur ein kleines Gebiet und ideal für einen Kurzurlaub oder als „Mittelmeer-Abstecher“ bei einer Tour in die Ostalpen.

Eines muss ich besonders hervorheben: Überall bekommt man hervorragendes Essen zu einem immer noch niedrigen Preis. Mir hatten es besonders die gegrillten Calamari angetan, die mit viel Knoblauch und Mangold als Beilage überall an der Küste in einer Spitzenqualität serviert werden. Wer gerne zeltet kommt auch auf seine Kosten, wenn er Touristenansammlungen und Monstercampingplätze meidet. Selbst auf dem kleinsten Campingplatz gibt es hervorragendes Essen und es wäre „Eulen nach Athen tragen“, würde man sich auf dem Motorrad mit eigenem Proviant und Kochgeschirr in den Packtaschen abplagen.

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