6. April – Urzeitliche Gegenden

Der Morgen beginnt grau und mit leichtem Nieselregen. Was tun? Laut Internet soll das nur unmittelbar an der Küste so sein, und so beschließen wir ein wenig ins Inland zu fahren. Von früheren Besuchen weiß ich, dass es im Bereich von Monteleone eine prähistorische Höhle gibt. Im Internet gibt es immerhin ein kleines Bild, wo man sieht, dass es dort auch Feldermäuse und Tropfsteinformationen gibt.  Auch Wikipedia hat einige Informationen.

Im letzten Jahr habe ich mit meinem Sohn versucht die Höhle „Grota Monte Maiore“ zu finden, aber außer Wald und Machia gab es nichts. Dieses Jahr kamen wir etwas weiter. Irgendwann fanden wir einen handgemaltes Schild mit dem Hinweis „GROTE“. Die Gegend wirkt richtig urzeitlich. Wenn man dann noch einen mumifizierten Hund auf einem Zaun hängen sieht und kurz darauf von verwilderten Hausschweinen unfreundlich angebrummt wird, verliert man die Lust auf die Höhlensuche. Schade, so kurz davor, und dann diese Schweine…..

Die Gegend um Monteleone hat allerdings viel mehr zu bieten als nur diese eine Höhle. Nuraghen und Steinzeitgräber finden sich zu Hauf. Und alles verbunden mit wunderschönen, ungeteerten und mit Steinmauern eingefassten Wegen. Etwas erinnert das an Bretagne und Normandie. Nur etwas wilder. Zugegeben, die K1300 ist nicht das ideale Fahrzeug für solche Bedingungen, es ist aber erstaunlich, wie einfach und sicher sie sich manövrieren lässt.  Klar, vor zwei Jahren mit einer F800 GS konnte man sich mehr trauen, erreichen konnte wir aber auch so alles. Im weiteren Verlauf der Reise wurde dann die Neugier größer, und ich erkundete auch kleinste Wege. Wie der Rheinländer so schön sagt: „Et hät noch immer jut jejange“

Kilometerweit gut befahrbare Feldwege. Alles erlaubt, obwohl vermutlich sowieso keiner danach fragt. Wenn man sich etwas weiter ins Hinterland traut, wird die Orientierung recht schwer. Zumindest wenn man keine guten Karten auf dem Navi hat. Mir hat die traditionelle Karte 1:200.000 aber völlig ausgereicht.
        

Nuraghen sind uralte Steintürme, die man überall in Sardinien findet. Auch das Hinterland von Alghero hat jede Menge davon. Da die Gegend recht bergig ist, stehen die meisten von Ihnen auch noch auf spektakulären Erhebungen. Die Gegend ist wunderschön zum Motorradfahren. Hier finden sich, abgesehen von den hervorragend ausgebauten Hauptstraßen, auch viel kleine Straßen, die scheinbar ins Nichts führen und zum Erkunden einladen.

 

Ganz nett mal so ein Gigantengrab zu besichtigen. Sicher nichts weltbewegendes, aber in einer Landschaft, wo man keinen Verkehrsgeräusche hört und keinen Menschen sieht, kann man sich in die Welt unserer Vorfahren hineinversetzen. Die Ruhe zu genießen und die Landschaft mit Muße zu beobachten ist eine Kunst, die den meisten von uns, vor allem im Berufsleben abgeht. Hier kann man diese Kunst wieder entdecken.

Urzeitliche Gegenden, Steinzeitgräber und Nuraghen sind eine gute Einstimmung in das, was uns am Abend erwartet. In ganz Italien wird Karfreitag mit bemerkenswerten Prozessionen und Kreuzigungsschauspielen begangen. Das nimmt zum Teil fanatische Züge an. Wer einmal Karfreitag Abend in Pompei bei Neapel war, weiß, dass dort die Religion gelebt wird. Auch nüchtern denkenden Leuten geht ein Schauer über den Rücken, wenn Menschen ans Kreuz geschlagen werden und dumpfe Stimmen aus Lautsprechern die Stationen des Kreuzweges aufzählen.

Ganz ehrlich gesagt, war die bekannte Prozession von Alghero damit verglichen etwas wenig. Ein ruhiger Zug ging von einer Kirche zur anderen und später wieder zurück. Aber etwas Stimmung kam doch auf. Die Beleuchtung war abgedunkelt und die Gesänge klangen wie aus weiter Ferne. Lohnend ist der Besuch der Innenstadt für die Prozession auf alle Fälle.

Your email address will not be published.