BMW R80/7 auf 48 PS drosseln

Seit dem 19. Januar 2013 gelten neue Führerscheinregeln. Für Motorradanfänger wurde die Leistungsbeschränkung auf 35 KW / 48 PS angehoben. Um meine alte R 80/7 von Baujahr 1978 für meinen Sohn, der unter diese Regelung fällt, herzurichten, musste also die Leistung begrenzt werden. Weder im Internet noch bei mir bekannten Boxer Spezialisten wurden Drosselsätze hierfür angeboten. Für die 50 PS-Variante der 80/7 gibt es Drosselsätze auf 34 PS, aber das auch nur für Modelle ab Baujahr 81.

Ich könnte mir vorstellen, dass es für viele Führerscheinanfänger von Interesse ist, die alte „Gummikuh“ ihres Vaters aus der Scheune zu holen und für kleines Geld viel Fahrspaß zu haben. Ganz gleich, ob es sich um die 50 PS oder um die 55 PS Variante der R 80 handelt, das Motorrad ist mit seiner gleichmäßigen Drehmomentkurve auch heute noch ideal für den Einstieg.

Auf eine Anfrage beim TÜV in Bonn-Duisdorf (Motorrad Spezialist ist dort Herr Richarz), wurde schnell klar, dass wohl kein Weg an einer Einzelabnahme vorbei geht. Zuerst dachte ich, das war’s dann wohl mit meinem Plan einer kostengünstigen Lösung. Alles was ich bis dahin recherchiert hatte, stellte die Einzelabnahme als kompliziert und sehr teuer dar.

Um es vorweg zu sagen: Alles Material, die Kosten für die Leistungsprüfung sowie die Gebühren bei TÜV und Stadt betrugen zusammen gerade einmal 180 Euro. Kein Problem also, die alte Gummikuh einer neuen Verwendung zuzuführen.

Der entscheidende Hinweis zum Prozedere kam von Herrn Richarz. Er nannte mir die Boxergarage in Schalkenbach-Vinxt in der Eifel, die über einen Leistungsprüfstand verfügt und deren Messung er für eine Eintragung akzeptiert. (Adressen, Materialien usw. habe ich am Ende des Berichts zusammengefasst)

Nach einem kurzen Anruf bei Herrn Liedtke von der Boxergarage bekam ich einen Termin für den folgenden Tag. Er vermutete, dass ein Motor mit 420.000 Km ohnehin nicht mehr die volle Leistung bringt und schon die einfache Messung ausreichen würde.  Dieses Risiko wollte ich aber nicht eingehen, und so machte ich mir Gedanken, wie ich kurzfristig die Leistung absenken könnte.

Einfacher Gedanke: Eine Querschnittsverengung zwischen Vergaser und Zylinderkopf bringt einen Leistungsverlust. Aber wie  diesen bewerkstelligen und wie klein muss der Querschnitt werden? Mir war bekannt, dass viele Drosselsätze für die Boxermodelle aus einer Art großer Unterlegscheibe bestehen. Also ab in den Baumarkt und mal schauen, was es da so gibt.

Im OBI fand ich die geeignete Größe: 15 x 45 x 2,5 mm. Das tatsächliche Aussenmaß beträgt 43,7 mm (siehe Gutachten). Der Außendurchmesser ist ideal geeignet, um die Scheibe in das Verbindungsgummi zwischen Vergaser und Zylinderkopf fest einzusetzen. Eine besondere Fixierung ist nicht notwendig.

Die Unterlegscheiben erweiterte ich mit meiner Standbohrmaschine auf unterschiedliche Querschnitte um diese dann prüfen lassen. Kosten der 8 Unterlegscheiben für meine Experimente: 3,59 Euro

Der für verschiedene Größen von 6 – 30 mm geeignete Bohrer stammt auch vom OBI, ist mit 29 Euro relativ teuer, gehört aber eigentlich ohnehin in jede Werkstatt. Er arbeitet sehr präzise und wie man sehen kann, lassen sich die genauen Maße der Bohrung ablesen.

Unten die Originalscheibe und die Scheibe mit einer Bohrung von 24 mm. Letztlich stellte sich ein Durchmesser von 28 mm als richtig heraus.

So, der Anfang war gemacht, ich hatte nun 2×4 Drosselscheiben mit Durchmessern von 24 – 30 mm. Keine Ahnung, was wirklich benötigt wurde, aber die 7 PS würden schon verschwinden und wenn es etwas weniger würde, wäre es auch egal.

In Vinxt bei der Boxergarage angekommen, beschlossen wir, das Motorrad zuerst einmal ohne Drossel zu testen. Wie ich schon vermutet hatte, war die Leistung zu hoch. 54 PS entspricht sogar fast noch der Sollleistung. Kein schlechter Wert nach dieser Laufleistung und mit den Originalzylindern auf beiden Seiten.

Für den zweiten Test beschlossen wir die 28 mm Drossel einzubauen. Das ist in fünf Minuten zu erledigen. Der Vergaser wird  auf jeder Seite gelöst, die Drossel wird mit Kraft in das Gummi gedrückt und dann der Vergaser wieder fixiert. Das war’s.

Ein zweiter Testlauf und sofort ein Volltreffer: 48,0 PS! Den Vergleich vorher / nachher könnt ihr in den unten stehenden Leistungskurven sehen. Das Gutachten kurz darauf beim TÜV Bonn-Duisdorf war schnell fertig und der Eintrag bei der Stadt ging auch problemlos.

Bestimmt werdet ihr euch fragen, wie die Maschine jetzt fährt. Bis zu einer Drehzahl von ca. 4.500 U/min merkt man fast nichts. Im 5 Gang entspricht dies etwa Tempo 110. Danach fehlt etwas der Dampf, und der Motor läuft ungewohnt weich. Erstaunlicherweise scheint die Höchstgeschwindigkeit überhaupt nicht zu leiden. Diese gefühlten Werte decken sich übrigens genau mit den Ergebnissen der Leistungsmessung.

Bestimmt wird der ein- oder andere Leser keine 80/7 sondern ein anderes Modell des 2V-Boxers haben. Klar, dass dann etwas andere Bohrungen notwendig sind. Ich vermute auch mal, dass bei der 50-PS Variante der R80 eine Reduzierung auf 30 mm ausreicht. Aber das sind nur Spekulationen. Sicher ist, das dieses Verfahren für alle 2V-Boxer möglich ist. Probiert es einfach aus. Irgendwelche Änderung an den Düsen sind übrigens nicht notwendig, da die Drossel nicht die Luftzufuhr reduziert, sondern das bereits aufbereitete Gemisch.

Kosten:

  • Bohrer (wenn nicht vorhanden)                                                        29,00 Euro
  • Unterlegscheiben, 8 Stück, 15 x 45 x 2,5 mm                                       3,59 Euro
  • Leistungsprüfstand                                                                          35,00 Euro
  • TÜV Gutachten                                                                               97,10 Euro
  • Straßenverkehrsamt                                                                         15,00 Euro

Ansprechpartner:

  • TÜV Bonn-Duisdorf, Hr. Richarz
  • DIE BOXERGARAGE
    Horst Liedtke
    Hauptstraße 53
    53426 Schalkenbach-Vinxt

    Tel. 02646-91110

Messwerte:
 Gutachten:

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