23. Juli – Überstürzter Aufbruch

Die Nacht war noch stürmischer als die letzte. Dazu kalt und regnerisch mit Blitz und Donner. Am Morgen fiel die Entscheidung leicht, die Fahrt nach Süden abzubrechen und in der Gegend zwischen Triest und Venedig die Wärme zu suchen. Nachdem wir bei Sturm die Zelte abgebaut und alles verstaut haben, machen wir uns auf den Weg. Ich kann das Motorrad kaum auf der Straße halten. Nach 5 km dann Polizei und Vollsperrung für Wohnmobile und Motorräder.

Jetzt ist guter Rat teuer. Was tun? Meine Frau steigt um ins Auto um mit den Mädchen nach Grado bei Triest zu fahren. Ich werde versuchen auf die Autobahn zu kommen und um mich dann durchs Hinterland ebenfalls nach Grado durchzuschlagen.

Gesagt getan. Das Auto fährt weiter, ich fahre zurück. Die Stunde Pause hat gereicht um den Sturm weiter auffrischen zu lassen. Die 5 Kilometer bis Starigrad fordern höchste Konzentration und mehrfach werde ich selbst bei Fußgangertempo um eine ganze Fahrbahnbreite versetzt. Zwei Fahrradfahrer kleben im wahrsten Sinne des Wortes an der Leitplanke und kämpfen sich zu Fuß durch. Südlich von Starigrad wieder Polizei und Vollsperrung. Die Autobahn ist gesperrt, diesmal auch für PKW. Nichts geht mehr. Wer nicht in Starigrad bleiben will, muss Richtung Zadar fahren. Kilometerlang geht es am Stau vorbei und jeder Versuch ins Hinterland zu kommen scheitert an der Polizei. Erst kurz vor Zadar kann ich nach Osten abbiegen und an einem bestimmt 30 km langen Stau vorbei in die Berge fahren. Dort oben ist es kalt, knapp 12° und ich schalte die Griffheizung ein. Welch Unterschied zu den 43° vor zwei Tagen.

Irgendwann bekomme ich eine SMS von meiner Frau die meint, dass nördlich von Senj die Straße wieder befahrbar sei. Also fahre ich dort wieder ans Meer und lege eine kleine Pause ein. Es stürmt nach wie vor wie verrückt, aber hier am Meer ist es nicht mehr kalt. Bis Rijeka sind es noch 70 km und ab dort lässt die Bora bis Triest normalerweise drastisch ab.

 

Nach einem kleinen Imbiss geht es weiter. Gleich wird es geschafft sein. Dachte ich! Am Ortsende von Senj wieder Polizeisperre. Der Wind ist wieder stärker geworden. Also wieder ab in die Berge. Dort treffe ich zwei Motorradfahrer die genau den gleichen Weg gefahren sind wie ich. Bekannte von Ihnen sind nach Abzug der Polizei an der Sperre hinter Starigrad am Meer Richtung Senj gefahren und irgendwo auf der Strecke in eine erneute Kontrolle geraten. Sie können jetzt weder zurück nach Starigrad noch weiter nach Senj fahren. Aufgrund des Wetterberichts hat man ihnen wohl gesagt, dass die Strecke noch die nächsten 2 Tage gesperrt bleibt. Pech gehabt.

Ich fahre weiter durchs Hinterland bis zur Autobahn Zagreb-Rijeka. Kurz vor Rijeka ist der Wind so stark, dass ich mit Tempo 30 über die Autobahn fahre und trotzdem 2 Spuren brauche. Inzwischen ist es Abend und mir reichts, das waren heute 550 km unter widrigsten Bedingungen. In Opatija kenne ich einen netten Campingplatz und da geht es jetzt hin. Erstaunlich: In Opatija, vielleicht 30 km hinter Rijeka ist es windstill. Kaum das ich das Zelt mit Taschenlampe aufgestellt habe und mich nur kurz mal zu Entspannung hinlege, bin ich auch schon eingeschlafen.

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