Zum Nachmachen: Oster-Kurztrip Südfrankreich-Italien

Irgendwie waren die letzten Wochen anstrengend. Jede Menge Arbeit, die anstehende Kommunalwahl und vieles mehr. Da muss mal etwas Entspannung her und so habe ich gestern Abend den Entschluss gefasst, einfach ein paar Tage mit dem Motorrad in den Süden zu fahren. Irgendwie finde ich: Tapetenwechsel = Entspannung.
 
Die Route war auch schnell klar. Das Allgäu und die Alpen sind zugeschneit, so dass sich das Rhonetal als Alternative anbietet. Von Bonn also zuerst durch die Eifel und an der Mosel entlang bis nach Metz, danach ein wenig Autobahn bis Lyon. Ab da durch die Provence und weiter an der Cote d’Azur entlang bis CinqueTerre bei La Spezia. Dann zum Gardasee und über Bayern zurück nach Hause. Mal sehen, was mich so alles auf der Tour erwartet. Morgen früh, also am Samstag den 19. April werde ich starten, und am 27. April wieder in Bonn eintreffen.

Über das, was ich zwischendurch erlebe, halte ich euch hier mit Bildern und Berichten auf dem Laufenden. Soweit Internet verfügbar ist, werde ich jeden Abend diesen Text erweitern und aktualisieren.
Viele werden mich für verrückt erklären: Sind doch bestimmt so um die 3.000 Km und was ist das dann anderes als Autobahnheizerei? Wo bleibt die Entspannung. Ich schreibe diesen Post nicht zuletzt deshalb, um Euch zu zeigen, dass durchaus der Kurvengenuss beim Motorradfahren und die Entspannung in mediterraner Athmosphäre möglich sind und sogar im Vordergrund stehen, Es soll Euch anregen, auch einfach einmal das Motorrad zu packen und loszufahren.
Auf geht’s.
19. April 2014      *    Von Bonn nach Tournus     *    GPS Track
 
Heute von 11:00 bis 20:00 ein wenig Kilometer gefressen. Dabei zuerst von Bonn weitgehend über die Landstraße nach Trier und Schengen bis Thionville gefahren. Von dort weiter bis nach Tournus an der Saone ging es dann über die Autobahn. Dabei war bis Metz schönstes Wetter, wobei es an der Mosel immerhin 18° hatte. Später dann auf der Autobahn zogen Wolken auf und es wurde immer kühler. Die letzten 250 km kam das Thermometer nicht mehr über 8°.
In Tournus habe ich den Campingplatz gesucht aber nicht gefunden. Da es schon 20 Uhr war und zu dämmern anfing, entschied ich mich für eine Motel-Anlage, die zumindest äußerlich mit ihren einzeln stehenden Hütten was von Campingplatz hat. Wir groß dann aber die Überraschung, als ich im Restaurant reservieren musste und jetzt eigentlich nur noch Porsche Cayenne und große Audis davorstehen. Dabei ist der Preis von 50€ für das Zimmer mit bis zu zwei Personen eigentlich ganz in Ordnung und auch gegen ein 300g Entrecote mit Ofenkartoffel für 22€ kann man nichts sagen.
Btw.: Jetzt auf Google-Maps sehe ich, dass der Campingplatz keine zweihundert Meter entfernt ist. Schade, es ist sternenklar, was immer ein unvergessliches Erlebnis für eine Outdoor-Nacht ist. Obwohl, so eine gepflegte Hütte mit Internetanschluss ist auch nicht zu verachten. Umso weniger, als ich in Bonn vergessen hatte, von Navigon die Karten für Frankreich und Italien herunter zu laden und nur nach dem Gedächtnis gefahren bin. Immerhin ist es nicht so lange her, dass ich die Strecke gefahren bin. Letztes Jahr im August sind Jan und ich mit Ausnahme der Autobahnetappe auf dieser Route bis Spanien gefahren.
Und noch was: Wegen des Zimmers, das für zwei das gleiche kostet wie für einen, ist es ja eigentlich schade, dass ich alleine unterwegs bin. Aber wieder einmal geschieht das, worüber wir gestern Abend noch diskutiert haben: Dass man nämlich alleine viel mehr Kontakt zu den Leuten bekommt, als wenn man in einer Gruppe oder gar als Pärchen unterwegs ist. Irgendwie werde ich den ganzen Tag angesprochen. Macht Spaß.
Hier die Bilder vom Tage:
Das Abfahrtsphoto. Wie jedesmal ist noch alles ganz ordentlich verpackt, die Sonne scheint und es ist warm.
 
Eigentlich war es nicht erst auf der Autobahn kalt. Auch die Eifel mit Ihren 14° kühlte mich ganz gut aus. Daher in Oberbillig, gegenüber von Wasserbillig in Luxemburg ein paar Fritten gegessen. Dabei meinten ein paar andere Gäste, es wäre viel schöner in Luxemburg nach Schengen zu fahren als auf der deutschen Seite. Also ab auf die Fähre und rüber nach Wasserbillig. War ein guter Tipp, obwohl beide Seiten ihren Reiz haben.
 
Dort, wo im Sommer die Weizenfelder bis an den Horizont reichen, ist jetzt alles gelb. Raps.Beeindruckend wie hoch der ist. Daneben wirkt die vollbeladene K richtig klein. Aber es gibt noch größeres. Gegenüber dem Atomkraftwerk in Cattenom wirkt der Raps winzig.

Ja, ich kenne mehrere Atomkraftwerke und bislang ist mir in vielen Jahrzehnten noch keines in meiner unmittelbaren Nähe um die Ohren geflogen. Ich bin auch kein Technikgegner, sonst würde ich nicht Motorrad fahren. Dennoch ist gerade hier in Cattenom der Gedanke an die potentiellen Gefahren immer wieder beunruhigend. Vielleicht liegt es daran, weil rundherum so viel unberührte Natur liegt und man nicht mit diesem Kontrast rechnet.
So, jetzt sitze ich hier im Village Motel in Tournus an der Saone und plane die Etappe für morgen. Denke, es läuft auf eine Fahrt entlang der Ardeche und dann wieder einmal auf einen Besuch von Avignon hinaus. Mal sehen, was der morgige Tag bringt.
20. April 2014, Ostersonntag      *    Von Tournus nach Avignon      *    GPS Track
 
Noch ist es nebelig bei 7° aber die Straßen sind trocken. Mal schauen was die Ardeche so zu bieten hat. ….. Das war der Plan. Anfangs sah es auch schön aus. Der Nebel verzog sich und an der Saône entlang ging es bis kurz vor Lyon.
Zuerst aber noch ein Blick auf Tournus. Wollte doch mal sehen, wo ich gestern Abend gelandet war:

Entweder war es aber noch zu früh oder es lag am Ostersonntag: Kein Mensch war auf der Straße und kein Cafe hatte geöffnet. Also weiter nach Macon, aber hier das gleiche Bild. Der eigentlich hübsche Ort wirkte wie ausgestorben und das sollte den ganzen Tag so bleiben. Vor allem auf dem flachen Land gab es nur kleinste Örtchen und das einzige Cafe oder Restaurant hatte immer geschlossen.
Wie auch immer. Auf meiner Navigon App hatte ich als Routensuche „Motorrad – schön“ eingegeben und auch diesmal konnte ich mich vollständig darauf verlassen. Die großen Straßen werden vermieden und es werden viele Sehenswürdigkeiten angefahren. In Frankreich sind das meisten irgendwelche Landschlösschen, die romantisch in der Landschaft liegen.
Aber der Reihe nach. Macon spiegelte sich in der ruhig dahin strömenden Saône, der Ostersonntag trug seinen Teil zu der Ruhe bei. Ganz anders als das stürmische Wetter am gestrigen Tag.
Nach Macon verließ die Route nun endgültig die großen Straßen. Auf der linken Flussseite ging es durch naturbelassene Auenwälder und dann über Motorradtraumstrecken durch die hügelige Landschaft bis kurz vor Villefranche sur Saône.
Schon diese Straße wirkte seltsam aufgeräumt und sehr alt. Da muss man etwas genauer hinschauen, Wenige Meter später dann dieses kleine Schlösschen:
In Villlefranche habe ich dann meinem Handy das neue Ziel genannt: Aubenas an der Ardeche. Natürlich wieder mit der Option „Motorrad, schön“. Inzwischen weiß ich ja, dass man da kaum voran kommt, aber das wollte ich ja heute auch nicht. Gegend schauen, neue Ecken kennenlernen und einfach Spaß am Fahren haben. So entschied ich mich für die mittlere der drei angebotenen Strecken. Erstaunlich weit übrigens: 280 Km und 95 hatte ich heute schon hinter mir. Am Ende des Tages waren  es noch mal 80 mehr bis Avignon. Erstaunlich, wo man sich doch schon in Tournus im Süden glaubt.Kurz hinter Villefranche direkt wieder ein Schlösschen und dann gleich auch noch eine Stadt mit einer Burg. (btw. Zeichne die Strecke mit GPS auf und stelle die Route demnächst auch hier zum Download bereit.)
Kurven und Burgen prägen die Landschaft auf den nächsten Kilometern. Diese schöne Gegend liegt kurz hinter Villefranche in Richtung St. Etienne. Leider meint mein GPS Logger seine Lizenz nicht mehr erkennen zu erkennen. Kann daher die Route nicht genau angeben. Zu Hause wird das wohl wieder klappen.
Bis St. Etienne bleibt auch das Wetter gut und recht mild. 14 Grad bei mehr oder weniger Sonnenschein geht in Ordnung. Die Strecke ist ein wirklicher Motorradtraum. Mal hervorragend ausgebaute Landstraßen mit schnellen Kurven, dann wieder Serpentinenstücke und auch Strecken, die eher an einen Feldweg erinnern sind dabei.. Ganz klar: Ohne das Motorrad-Profil des Navi wäre ich niemals darauf gekommen hier entlang zu fahren.
In St. Etienne wird es dann trüber und die Temperaturen sinken. Kurz hinter dem Ort dann die ersten Regentropfen. Je weiter es in die Berge geht, umso stärker wird der Regen. Nebel kommt hinzu und die Temperatur sinkt auf 2 Grad. Dazu kommt, dass die Straßen, wie so oft im Süden, bei Regen total glatt werden. Das ist wohl der grobe Asphalt mit den vielen, meist rund gefahrenen Steinen. Also heißt es wohl langsam fahren und das Motorrad „um die Kurven tragen“.  So ziehen sich die Km unendlich lang dahin. Handschuhe und Stiefel sind inzwischen klamm und die Heizgriffe schaffen es nicht mehr auch nur die geringste Wärme zu übertragen.
Als ich endlich in Aubenas an der Ardeche ankomme, beschließe ich so schnell wie möglich auf die Autobahn zu kommen und weiter nach Süden zu fahren. In Avignon soll das Wetter besser sein und tatsächlich hört kurz vor der Autobahn der Regen auf. Wie so oft hing der Regen in den Bergen.
Schade, die Strecke durch die Cevennen von St. Etienne nach  Aubenas ist wünderschön. Fast immer geht es durch Naturschutzgebiete, die kleinen Sträßchen verleiten zum genießen der Landschaft und nicht zum Rasen. Ich werde auf alle Fälle nochmal hierher kommen, dann aber hoffentlich bei besserem Wetter.

Über solch kleine Feldwege ging die Strecke auf dem Weg nach St. Etienne. Über etliche Km war sie noch nicht einmal geteert.

21. April 2014, Ostermontag     *    Von Avignon nach Le Lavandou     *    GPS Track

Über Nacht hat mich der Regen eingeholt. Nach ersten kleineren Regenfällen schüttete es heute morgen wie aus Kübeln. Jetzt sitze ich hier auf dem Campingplatz und warte darauf, dass das Zelt wieder einigermaßen trocken wird, damit ich es einpacken kann.
Ich bin noch unschlüssig, wohin ich heute fahre. Nachdem die Strecke an der Ardeche gestern dem Regen zum Opfer gefallen ist, möchte ich heute eigentlich gerne zum Grand Canon du Verdon. Die Motorradstrecken dort sind herrlich. Andererseits sieht man, wie die Wolken in den Bergen hängen. An der Küste Richtung Nizza soll es dagegen immer mal wieder sonnig und bis zu 18 Grad warm werden. Ich denke, dass ich mich für die Sonne entscheide.
Aber zuerst einmal geht es jetzt nach Avignon rein. Wie immer eine tolle Stadt, wenngleich in der Osterwoche noch ein wenig voller als sonst. Und weil den Papstpalast wahrscheinlich schon jeder kennt, hier einmal zwei andere Bilder: Der Touristenansturm auf das Sightseeing-Bähnchen und ein älterer Musikant, den ich länger beobachtet habe und der fast ununterbrochen etwas geschenkt bekam.

   

Dann ging es weiter Richtung Aix-en-Provence. Die Fahrt zum Canyon du Verdon hatte ich doch noch nicht aufgegeben. Die Sonne kam raus, es wurde warm und irgendwann machte ich eine Pause. Etwas abseits der Straße auf einem kleinen Felsen roch es wie mitten in einem Gewürzladen.

Pausenfelsen mit allem, das wir so als Gewürz verwenden
Mit dem Ende der Pause kamen auch wieder Wolken auf, aber zunächst dachte ich mir noch, das geht vorüber. Keine 5 Minuten später war mir aber klar, dass wieder einmal das Regenzeug ausgepackt werden musste. Gesagt, getan. Aber leider waren Jacke und Hose schon nass, als ich endlich alles übergezogen hatte. Das sagt etwas aus über die Intensität des Regens. Viel heftiger als gestern, typisch Mittelmeer eben. Alles oder nichts.
Der Regen war besonders deshalb schade, weil ich mich mich in Aix entschlossen hatte ans Meer zu fahren und das Navi mir eine Provence-Route von Feinsten bescherte. Selbst bei dem Wetter ein Highlight.

So richtig schöne Bilder von der Etappe gibt es nicht. Die Handschuhe waren mittlerweile komplett durchnässt und das Photographieren fast unmöglich.
Mit den Handschuhen hörte der Sieg des Regens über meine Kleidung nicht auf. Es folgte die Lederhose, weil das Gummi des Regenanzugs sich von innen auflöste. Danach waren die Stiefel dran. Besonders ärgerlich mein neuer Helm. Superweich gefüttert, zog er das Wasser nur so an. Kann sich einer vorstellen, wie es ist, den nach einer Pause wieder aufzuziehen? 40 km vor Toulon gab ich auf und wählte die Autobahn. Ab zum nächsten Hotel und dann alles trocknen.
So lange musste ich aber nicht warten. Kaum auf der Autobahn, kam die Sonne hervor und auf dem nächsten Parkplatz konnte ich meine Sachen trocknen. Es ist unglaublich, wie schnell das ging. Binnen Minuten in der stechenden Sonne war der Straßenbelag knallheiß und meine Handschuhe trocken.
So kann man es aushalten. Also fuhr ich weiter und kurz danach am Strand konnte man sich das Unwetter von soeben kaum noch vorstellen. Ein paar schwarze Wolken noch, aber auch schon Jogger im T-Shirt.

Toulon ist eine Großstadt, wenn auch recht reizvoll. Daher wollte ich hier nicht bleiben sondern in einen kleineren Ort fahren. Vorbei an Hyeres (übrigens auch recht nett) ging es bis Le Lavandou. Der Campingplatz ist leider nur für Wohnmobile und Caravans gedacht und heißt deshalb auch Caravanplatz. Kaum jemand da, aber ich konnte mit Motorrad und Zelt nicht bleiben. Irgendwo im nächsten Ort gibt es einen, der nimmt jeden, auch Motorradfahrer, wurde mir gesagt. Ärgern hilft nicht, also Helm (nass) auf und weiter. Kaum auf der Straße, regnet es wieder und wie durch ein Wunder taucht in einer Kurve ein Hotel auf. Da sitze ich nun und schreibe diesen Text.
Wie geht es morgen weiter? Auf alle Fälle erstmal einen Hinterreifen kaufen. Eigentlich bin ich in Bonn mit gutem Profil losgefahren und auch nicht sonderlich schnell geheizt. Der raue Straßenbelag in den Cevennen scheint aber sein Werk getan zu haben und die Strecke seit Avignon war so gesehen auch nicht schlecht. Heute morgen war jedenfalls das Profil noch zu sehen und die Prüfmarkierung (TWI) noch nicht erreicht. Jetzt ist das Profil weg und der TWI nicht nur erreicht sondern selbst weggerubbelt.
22. April 2014    * Le Lavandou nach Santo Stefano    * GPS Track
 
Das Wetter ist besser geworden und laut wetteronline soll es hier an der Côte d’Azur weitgehend trocken bleiben. Wird bestimmt ein toller Tag an den mondänen Badeorten und am Esterel Gebirge vorbei.
Und hier nun der abendliche Bericht:  Um das Pferd einmal von hinten aufzusäumen: Italien hat mich mit einem herrlichen Verkehrschaos in Ventimiglia und San Remo empfangen. Ich muss gestehen, dass es sogar Spaß macht, abseits jeglicher Verkehrsregeln im Strom der Roller und Motorräder mitzuschwimmen und jeden noch so kleinen freien Bereich auf der Straße zu nutzen.
Jetzt sitze ich auf einem herrlichen Campingplatz inmitten alter Olivenbäume und höre mir ein Frosch-Grillen Konzert an. Ein Heidenspektakel und dazu nach einem tollen Sonnenuntergang ein sternenklarer Himmel bei milden Temperaturen.
Also alles vom Feinsten, nur ist es stockdunkel und ich kann die Tastatur nicht erkennen, Tippe immer daneben. Muss den heutigen Bereicht von einer tollen Fahrt entlang der Corniche d’Esterel  daher auf morgen früh verschieben.
22:51: Die Campingplatzverwaltung ist gegangen und hat das Licht bei der Rezeption angemacht. Kann wieder schreiben. Los geht’s.
Heute morgen bewegte mich vor allem die Frage, wo ich einen neuen Hinterreifen herbekomme. Da in der Mitte der Lauffläche unter kleinen Rissen schon das Metall der Karkasse zu sehen war, musste dringend was geschehen. Spätestens bei BMW in Nizza sollte es ja was geben, also erstmal etwas Gas geben, um vor Mittag da zu sein. Die Straße ist trocken, die Sonne scheint und der Verkehr hält sich in Grenzen. Mit Blick auf den Reifen bleiben St. Tropez und Port Grimaud links liegen. Eigentlich beides recht lohnende Pausen, aber nicht heute. Recht schnell erreiche ich so St. Maxime. Gleich am Ortseingang ein Yamaha Händler. Also einfach mal anhalten und fragen. Meinen Metzeler hätte er nicht, wohl aber einen Michelin. In der aktuellen Situation ist mir alles recht und im Nachhinein kann ich nur sagen „Spitze“. So leicht und gleichzeitig gutmütig ist die K noch nie in die Kurven gefallen. Und dass trotz recht viel Gepäck.
Erst einmal heißt es das Rad ausbauen. Als das geschehen ist, bringe ich es in die Werkstatt. Eigentlich eine Art Doppelgarage im Souterrain ohne Fenster. Hier arbeiten drei Mann, irgendwo läuft ein Zweitakt-Roller, keine Absaugvorrichtung, alles ist vernebelt, aber niemand stört sich dran. Der Typ, der meinen Reifen montiert hat eine Kippe im Mund und ohne sie wegzulegen macht er sich an die Arbeit. Als der Reifen ab ist, ist die Kippe auch abgebrannt. Also schnell eine neue angemacht und während er den neuen Reifen montiert, wird diese geraucht und dabei wird wild drauf los geplaudert. Ob unsere Arbeitsgesetzgebung das erlauben würde? Da geht der Mechaniker gleich selbst drauf ein. So wäre das in Deutschland doch bestimmt nicht möglich und außerdem dürfte diese Motorrad hier dort auch nicht fahren. Dabei verweist er auf eine Suzuki, die gerade einen Minimalauspuff und direkt auf die Vergaser gesetzte Luftfilter bekommt. Wird bestimmt ein bestialischer Sound 😉
Reifen drauf, Luft rein, fertig. Als ich nach dem Auswuchten frage, die lapidare Antwort: Hinten merkt man das nicht. Machen sie nie. Bin gespannt, ob das auch bei hoher Autobahngeschwindigkeit stimmt.
Endlich wieder unterwegs. Der Reifen rollt prima und die K ist handlich wie nie zuvor. Ab St. Aygulf altbekannte Gefilde, da ich früher öfter mal in Frejus Urlaub gemacht habe. Die Sonne scheint und es könnte eigentlich ein richtiger Strandtag werden. Also erstmal eine Pause machen:

Eigentlich ist Frejus ein schöner Ort, der einen Aufenthalt wert ist. Aber nachdem ich gerade erst zwei Pausen gemacht hatte, war es zu früh schon wieder anzuhalten. Also nur kurz ein paar Vorräte gekauft und dann ging’s weiter Richtung Esterel. Das ist ein faszinierender kleiner Gebirgszug mit roten Felsen auf dem Weg nach Cannes, der aus jedem Blickwinkel noch faszinierender wirkt, als aus dem vorherigen. Entsprechend viele Photos sind entstanden. Hier nur zwei Highlights.
Und dann die Mittagspause. Denkt nicht, dass ich den Wein beim Fahren trinke, aber optisch macht er sich doch gut auf den roten Felsen. Oder nicht 😉 Wie auch immer: Während ich diesen Text jetzt tippe, kommt der leckere Rose endlich zum Einsatz.
Die Mittagspause ist vorbei, Stirn und Rücken brennen von der Sonne. Das sind doch endlich mal Urlaubsgefühle! (hoffentlich halten sie sich morgen in Grenzen). Die Corniche d’Esterel endet im Verkehrschaos. Oder in dem, was man in Cannes noch dafür hält. Siehe meine Anmerkungen zu Ventimiglia und San Remo. In Cannes erstmals mehr Motorräder und Roller als Autos. Sie fahren und parken wo sie wollen. Auch das natürlich relativ => San Remo.
Und noch eines fällt mir auf. Mit Blick auf die Kommunalwahlen diskutieren wir in Bonn immer wieder den Öffentlichen Personennahverkehr. Und damit auch den wenig attraktiven Busbahnhof. Wie man es anders machen kann, zeigt Cannes:
Das waren nun die Highlights des heutigen Tages. Wirklich? Zumindest was die Photos angeht, denn spätestens ab der italienischen Grenze fand ich dazu keine Zeit mehr. Wer einmal eine wirklich interessante Rushhour erleben will und sich nicht den weiten Weg nach Neapel antun möchte, braucht nur nach Ventimiglia zu fahren. Also in die italienische Grenzstadt an der Riviera. Von hier bis hinter San Remo italienischer Verkehr vom Feinsten. Roller und Motorradfahrer bewegen sich wo sie wollen. Autos weichen freiwillig und offensichtlich ohne Ärger aus. Während man mit der rechten Hand am Roller Vollgas gibt, kann man ja ruhig mit der linken Hand telefonieren und dabei durch eine Lücke düsen, die gerade mal ein paar Zentimeter breiter ist als der Roller. Vollbepackt mit der K halte ich gut mit, aber irgendwie bin ich auch froh, als ich aus der Stadt raus bin und dann auf einmal das Schild CAMPER VILLAGE sehe. Da sitze ich nun, genieße die Ruhe und freue mich auf den morgigen Tag.

 

Die Bar: Stilvoll inmitten von alten Olivenbäumen.
p.s.: Der Campingplatz „Camper Village“ in Santo Stefano ist empfehlenswert. Ganz neu, total sauber, alle extrem freundlich und total ruhig gelegen. Letzteres zumindest dann, wenn man mal von von den Fröschen, Grillen und Vögeln absieht, die ein unglaubliches Spektakel veranstalten. Ganz toll auch der Ort Santo Stefano und noch mehr das direkt anschließende Riva Ligure. Zumindest jetzt in der Vorsaison ein Italien wie vor 40 Jahren. Ganz ruhig, kleine Restaurants und völlig ohne die negativen Auswirkungen des Tourismus. Liegt wohl an der Straßenführung, die außen herum geht, so dass man die Zufahrt richtig suchen muss.

23. April 2014    *   Santo Stefano bis Cinque Terre    *    GPS Track

 

Bei wolkenlosem Himmel wird es gleich weitergehen. An der Adria entlang bis Cinque Terre. Nur die Berge muss ich weiterhin meiden, da hängen nach wie vor schwarze Wolken drin.
Der Morgen beginnt mit Cappucino und einem Brioche. Man merkt, dass man in Italien ist. Ein großes Frühstück wie bei uns oder gar in den internationalen Hotels braucht keiner. Jeder besucht morgens seine Bar und ist in wenigen Minuten wieder draußen. Manchmal wird noch „un Bianco“ oder „un Rosso“ dazu bestellt und schon kann der Tag beginnen.

Zelt und Schlafsack sind inzwischen wieder trocken und das Beladen des Motorrads geht schnell von statten. Da ich euch gestern von den kleinen Örtchen Santo Stefano und Riva Ligure berichtet habe, fahre ich noch kurz hinein und mache einige Bilder. Auch am Tag einfach nur schön!
Weiter geht es nun Richtung Alassio. Landschaftlich reizvoll, aber leider recht viel Verkehr. Dazu kommt, dass ich immer wieder Skrupel habe, mich komplett über die Verkehrsregeln hinweg zu setzen. Das macht aber jeder Rollerfahrer und so ist links und rechts und vor und hinter mir die Hölle los.  Hinter Alassio geht es auch gleich in die großen Hafen- und Gewerbegebiete der italienischen Riviera hinein. Ich entschließe mich daher bis hinter Genua die Autobahn zu nehmen. Die meisten Leser werden jetzt sagen “ Wie kann er nur“. Meine Antwort: „Wartet erst mal, bis Ihr selbst daher gefahren seid!“ Die Autobahn ist sowohl landschaftlich wunderschön als auch fahrerisch anspruchsvoll. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen entsprechen ausnahmsweise auch mal der tatsächlich möglichen Geschwindigkeit.
Südlich von Genua beginnt dann eine Motorrad-Region vom Feinsten. Und ein Teil Italiens, der den gängigen Bildern der mediterranen Landschaft entspricht. Palmen, Pinien, Zypressen und blühende Sträucher säumen die Straßen. Man kann sich gar nicht daran satt sehen und die Bilder können nur einen Teil der Gefühle darstellen.

Ein Ort ist schöner als der andere und das Fahren macht einfach nur Spaß. Im Rückblick sicherlich eines der Highlights der Tour. Aber es ist inzwischen sehr warm und dazu noch ziemlich schwül. Im Sommer wüde man 27° sicherlich eher als kühl bezeichnen, aber jetzt, nach den kalten Tagen in Frankreich, haut es mich einfach um. In Margherita Ligure beschließe ich daher eine Mittagspause zu machen. Bei Spaghetti und Muscheln erhole ich mich so langsam von den Anstrengungen der letzten Stunden.

Noch jemand genießt die Sonne. Und zusammen mit seinen Kumpels macht er einen Höllenlärm. Tagsüber fast noch mehr als gestern abend. Hört man selbst beim Fahren.

Danach geht es über Rapallo bis ins Hinterland von Cinque Terre. Vorher
aber noch eine kleine Runde durch diesen schönen Ort. Hier war ich schon
als Kind mit meinen Eltern und meine heutigen Eindrücke bestätigen nur
die Erinnerung: Einfach wunderschön.

Hinter Rapallo beginnt einer meiner Lieblingsgegenden in Italien. Zunächst die Küstenstraße, die für mich das Süden-Palmen-Italien Bild par excellance darstellt und dann in die pure Natur von Cinque Terre übergeht. Sowohl fahrerisch als auch landschaftlich ein Motorradhighlight. Und natürlich nicht zu vergessen die vielen kleinen Orte, die man nur auf abenteuerlichen Straßen mit kleinsten Kurven erreichen kann. Unten am Meer dann häufig der krasse Gegensatz. Alle Orte sind mit der Bahn verbunden und so tummeln sich Scharen von Touristen in den vermeintlich so abgelegenen Städtchen. Dennoch, auch das hat seinen Reiz. Und mehr als das. Es verlockt dazu sich in eine Bar zu setzen und den Leuten auf der Straße zuzuschauen. Aber noch ist es nicht soweit und ich will Euch einfach einmal ein paar Bilder aus der Gegend zeigen. Zunächst beginnt es mit schwarzen Wolken, die ein Gewitter ankündigen. Dazu lautes Donnergrollen. Was tun? In einer Bar das vermutliche Unwetter aussitzen oder ganz einfach abhauen? Ich entscheide mich für das letztere und gebe der K die Sporen. Rauf die Berge, runter die Berge und dazwischen noch eine irre Passfahrt. Im folgenden Photo kann an gut die Reiz der Region erkennen

Kurven, Kurven und nochmal Kurven. Im Original sieht es genauso aus wie auf dem Navi.

Aber irgendwie setzen mir heute die ungewohnten Temperaturen zu und auf
den kleinen Straßen merkt man auch das Gewicht der voll beladenen K. Die K1300 R ist viel handlicher als ihr mächtiges Erscheinen einen denken läßt. Leer 217 Kilo und fahrbereit getankt auch nur 240 Kilo ist leichter als die meisten Reiseenduros. Es ist das Gepäck, das in den letzten Tagen immer weiter angewachsen ist. Hier ein paar Vorräte gekauft, dazu ein paar Flaschen Wasser und so weiter. Letztlich sind die Packtaschen jetzt randvoll und machen sich in den engen Kurven bemerkbar. Ein bisschen wünsche ich mir hier im Hinterland von Cinque Terre schon meine kleine GS 650 Sertao herbei.

Ich bin froh, als ich Deiva Marina erreiche. Kein unbedingt schöner Ort, aber ich finde sofort einen Campingplatz. Danach einfach nichts tun und am Strand liegen. Mein Ziel, in einem der bekannteren und sehr hübschen Orte in Cinque Terre zu übernachten, habe ich nicht erreicht, dafür herrscht eine Ruhe, die beeindruckend ist und nur gelegentlich von vorbeifahrenden Zügen unterbrochen wird. Leider auch in der Nacht.

24. April 2014     *    Von Cinque Terre an den Gardasee     *    GPS Track

 

Ein klarer Morgen, ein blauer Himmel und vor mir mit die schönsten Straßen der Riviera. Dennoch muss ich meine Planung etwas ändern. Eigentlich hatte ich gestern gedacht etwas weiter zu kommen und heute mit einem kleinen Umweg über Florenz an den Gardasee zu fahren. Das ist aber von Deiva Marina aus nicht zu schaffen. Andererseits möchte ich auf alle Fälle noch meine Mutter im Allgäu besuchen, so dass ich allmählich an den Rückweg denken muss. Also wird der Plan kurzerhand geändert. Den Vormittag verbringe ich noch in Cinque Terre und nachmittags geht es dann durchs Appenin nach Garda.

Zunächst einmal geht es wieder in die Berge. Das Nebeneinander von Natur und Technik in Italien ist immer wieder bemerkenswert. Wer die Autobahn von Genua nach Pisa kennt, weiß, dass es neben der, oder besser neben den Brücken noch genauso viele Tunnels gibt. Technik jede Menge, aber nur wenige Meter weiter scheint die Natur verlassener zu sein als sonst irgendwo.

Ich habe mir ja den Vormittag nur zum Erkunden von Cinque Terre vorgenommen. Während ich bislang meist auf der Via Aurelia (SS1) von einem der typischen Orte in 5-Terre zum anderen gefahren bin, schaue ich mir diesmal deshalb auch die kleineren Abstecher ans Meer an. Also direkt mal den nächsten Abzweig nach Anzo ausprobieren. Ist nur ein kleines Örtchen am Berg, aber sehr schön. Fährt man ganz ans Meer hinunter, erreicht man eine Eisenbahnstation, mehr nicht. Das ist also wenig lohnend, umso mehr aber die kleine Straße die hierher führt und die leicht verwilderte Pflanzenwelt.

Wieder oben auf der Straße, geht es weiter durch herrliche, gut ausgebaute Kurven. Aber man muss aufpassen. Hier ist durchaus Verkehr und gelegentlich kommt unvermutet ein Auto um die Kurve. Da kann es so vollbepackt schon ganz gut eng werden.

Entlang der Straße liegen mehrere Steinbrüche. Einige sind noch in Betrieb, während andere, wie der auf dem Bild, so aussehen, als hätte man von einem auf den anderen Tag einfach aufgehört zu arbeiten ohne die Kräne und sonstigen Geräte abzubauen. Alte Technik inmitten der Natur finde ich immer interessant.

Ich biege nun wieder ans Meer ab nach Bonassola. In der Ferne kann man Korsika erahnen. Bei klarem Wetter ist die Insel gut zu sehen, heute sieht man nur ein langes, schmales Wolkenband, das scheinbar planlos über dem Meer liegt. Bonassola ist recht nett. Heute ist ein kleiner Markt, der einen Bummel wert ist. Ansonsten ein ruhiger Ort ohne das Touristengedränge an den bekannten Orten von 5-Terre.

Mit der alten Technik geht es am Strand von Bonassola weiter. Ein R4, an dem wirklich alles mehr oder weniger Schrott ist, wird offensichtlich als Firmenfahrzeug eines Handwerkers eingesetzt. Bei uns würde es da TÜV oder Dekra ziemlich grausen. Immerhin steht dieses technische Wunderwerk wieder ganz fotogen in der Landschaft.

Nach der kleinen Pause in Bonassola finde ich es zu schade, in Levanto schon wieder anzuhalten. Also geht es weiter nach Monterosso. Das ist einer von den vielbesuchten Orten in 5-Terre. Hier trifft man Leute aus der ganzen Welt, die sich zusammen mit tausenden anderen in einer Stunde die Abgeschiedenheit der Gegend anschauen. Dennoch, das Menschengewimmel und das Überangebot an Trattorias und Pizzerien ist mal ganz nett anzuschauen. Durchaus empfehlenswert. Genauso, wie übrigens die Fahrt von Bonassola hierhin. Eine gut ausgebaute und etwas breitere Straße ist wie gemacht für die K.

Es ist Mittagszeit und die Restaurants wirken einladend. Aber zum einen habe ich noch keinen rechten Hunger, zum anderen werde ich nach zu viel Essen immer etwas müde und ich muss heute ja immerhin noch bis an den Gardasee fahren. Also gehe ich kurzerhand auf den Markt, der auch in diesem Örtchen aufgebaut ist und kaufe mir eine Tüte frische Erbsen. Mache ich jedes Frühjahr in Italien und daher kenne ich auch das italienische Wort schon: Piselli. Mit meinem Beutel setze ich mich an den Strand, öffne die Erbsen und genieße Sonne, Meer und das mediterrane Gefühl. Gleich heißt es nämlich Abschied nehmen und es wird bestimmt eine Weile dauern, bis ich das nächste mal hierhin komme.

Jetzt geht es weiter. Nachdem ich ursprünglich geplant hatte nach Florenz und von dort über den Abetone Pass nach Modena zu fahren, wollte ich mir letzteres nicht nehmen lassen. Also plante ich eine Strecke, die mich über kleinste Sträßchen nach Pievepelago bringen sollte. Aber schon nach kurzem wurde das Wetter schlechter, schwarze Gewitterwolken kamen auf und ein paar Kilometer entfernt blitzte und donnerte es bereits. Daher beschloss ich, die geplante Route abzukürzen und bat mein Navi, mir den schnellsten Weg nach Modena zu berechnen, allerdings ohne Verwendung der Autobahn. Heraus kam eine Strecke vom Feinsten. Diese führte über den Passo Cerrato auf die andere Seite des Appenin und dort dann durch das freundliche Hügelland nach Modena. Glück mit dem Wetter hatte ich dazu. Kein Tropfen Regen und auch die Kälte hielt sich in Grenzen.

Leider war mir in Monterosso nicht aufgefallen, dass der Akku meines GPS Trackers leer war. Daher hier ein kleines Loch in der Route bis ich vielleicht 20 Km später das Problem bemerkte und beheben konnte.

Die meisten von uns kennen das Appenin zwar als ein zwar hohes, aber eher stark bewaldetes und wenig schroffes Gebirge. Auf dem Weg zum Passo Cerrato hingegen hohe, zackige Felsmassive wie in den Alpen.

Ganz anders die Nordseite des Appenin bei Modena. Die liebliche Hügellandschaft ist sehr ansprechend und schöne Straßen laden zum Fahren ein.

Die Pässe im Appenin sind ein Traumgebiet zum Motorradfahren. Viele kenne ich bereits, aber gerade die weniger bekannten Verbindungsstrecken bin ich selten oder noch nie gefahren. Heute habe ich erleben können, wie toll diese sind. Ich habe mir schon oft vorgenommen, einmal ein paar Tage nur dem Appenin zu widmen und werde das demnächst einfach mal machen.

Hinter Modena folgt die Po-Ebene. Auch wenn es hier durchaus interessante Gebiete und Straßen gibt, entscheide ich mich die 80 Km Autobahn bis an den Gardasee zu nehmen. Es ist inzwischen schon fast 19:00 und da möchte ich langsam mein Tagesziel erreichen. Auch wenn schon wieder um mich herum schwarze Wolken zu sehen sind, komme ich trocken in Garda an und fahre auf den nahegelegenen Zeltplatz.

Der Campingplatz bei Garda ist riesengroß und ziemlich voll mit Wohnmobilen aus Deutschland. Aber es gibt eine kleine Wiese unter Olivenbäumen für die Leute mit Zelten. Die ist vollkommen leer, ich bin der einzige Zeltgast. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, kehrt Ruhe ein. Zur Belohnung nach dem sehr
schönen, aber auch anstrengenden Tag gibt es dann eine Lavorello (Gardasee
Renke) vom Grill.

25. April 2014      *    Vom Gardasee ins Allgäu     *    GPS Track

 

Als ich aufwache scheint bereits die Sonne und es ist recht warm. Zu schade, jetzt auf der Autobahn einfach nach Norden zu fahren. Und so plane ich eine Strecke, die mich an der Ostseite des Gardasees bis nach Torbole führt und von da weiter nach Madonna di Campiglio. Dann wird es über Meran und Innsbruck ins Allgäu nach Buching bei Füssen gehen.

In Garda zunächste einmal der obligatorische Cappucino in einer Bar an der Seepromenade. Nach einem Bummel über den beeindruckend großen Markt, der sich hier in Garda fast ausschließlich auf die Bedürfnisse der Touristen ausgerichtet hat, geht es weiter Richtung Malcesine.Das Ostufer des Gardasee wirkt mediterraner als viele andere Regionen Italiens. Das wirkt anziehend vor allem für Besucher aus dem Norden, ganz vorweg für die Bayern. Und so sehe ich heute nach fast einer Woche das erste Mal wieder ein Motorrad mit deutschem Nummernschild. Aber auch italienische Motorradfahrer tummeln sich. Fast alle mit nagelneuen BMW GS. Fast scheint es so, dass die gesamte Produktion des wassergekühlten Boxers nach Italien gegangen ist. So geht es inmitten von Scharen von Motorrädern nach Malcesine, wo ich die nächste Pause mache.

Malcesine ist neben Torri del Benacco mein Lieblingsort am Ostufer des Gardasees. Deshalb steht hier ein kleiner Stadtbummel an. Inzwischen ist schon wieder Mittag und so gönne ich mir nochmals eine Lavarello.

Interessant übrigens, dass in der napoleonischen Zeit hier die bayrische Grenze herlief. Riva del Garda war eine bayrische Verwaltungsstadt und der Kampf des Andreas Hofer richtete sich in erster Linie gegen die Bayern. Auch wenn nach dem Sturz Napoleons die alten Grenzen wieder hergestellt wurden, konnten sie die Bayern aber offensichtlich nicht davon abhalten, diese schöne Gegend mit friedlichen Mitteln als Touristen zu erobern. Jedenfalls hatte es heute morgen den Anschein. Dennoch, Malcesine ist einfach schön und ein Besuch ist mehr als lohnend.

Das Ende des Gardasee ist erreicht. Hinter Torbole geht es in die Berge und am Brenta Massiv entlang nach Madonna die Campiglio

Wer diesen Bericht zum Anlass nimmt einige der Strecken selbst abzufahren, sollte hier aufmerksam meinen GPS Track anschauen. Ich bin nämlich erstmals eine ganz kleine Straße gefahren, die man normalerweise gar nicht bemerkt. War richtig schön und völlig ohne Verkehr. Dabei kommt man u.a. an einem riesigen Wasserfall vorbei:

Kurz vor Madonna die Campiglio war es dann vorbei mit warm. In den Bergen noch alles voll Schnee, kaum Blätter an den Bäumen und ich mache die Heizgriffe an. Dafür eine herrliche Motorradstrecke und ganz wenig Verkehr.

Hinter Madonna die Campiglio geht es hinauf auf den 1.700 Meter hohen Passo Carlo Magno. Hier wurde die Skisaison wohl gerade erst beendet.Jetzt wirkt es wie ausgestorben. Aber in wenigen Wochen wird hier der Schnee vergangen und die Einöde ein Blumenmeer sein. Einen kleinen Ausblick darauf gibt das Foto mit den Krokussen, dass ich ein wenig später am Jaufenpass gemacht habe.

Langsam geht es ins milde Südtirol. Apfelbäume soweit das Auge reicht. Ein leerer Stausee wartet auf die Schneeschmelze in den Bergen. Die Photopause dort nutze ich, um per Selbstauslöser auch mal ein Bild mit mir drauf zu machen.

Als nächstes folgt der 1.500 Meter hohe Gampenpass, der mich nach Lana bei Meran bringt. Von dort fahre ich weiter in Passeiertal. An dessen Ende in St. Leonhard treffen sich zwei beeindruckende Pässe, das 2.474 Meter hohe Timmelsjoch und der 2.094 Meter hohe Jaufenpass. Da ersteres noch Wintersperre hat, fahre ich über den Jaufen nach Sterzing. Besonders die Südrampe hat es mir angetan, sowohl landschaftlich als auch fahrerisch. Es ist sozusagen einer meiner Hausstrecken, die ich gerne einmal auf einer Tagestour von Buching aus über das Hahntennjoch und das Timmelsjoch auf dem Rückweg mitnehme.

Hier oben liegt noch jede Menge Schnee. Daneben wirkt das Motorrad richtig klein. Nochmehr liegt auf der anderen Seite des Berges, aber da es allmählich spät wird, muss ich mich etwas beeilen und komme nicht dazu weitere Photos zu machen.

Gegen 19:00 komme ich am Brenner an und gönne mir erst einmal eine Portion Spaghetti, bevor es an die letzte, 150 Km lange Etappe nach Buching geht. Dieses letzte Stück hat es nochmal in sich. Nachdem ich schon telephonisch vorgewarnt war, dass starke Gewitter aus dem Voralpenland in die Berge hinein ziehen, war ich gar nicht so überrascht, als in Innsbruck innerhalb weniger Minuten der Himmel schwarz wurde und links und rechts in den Bergen die Blitze zuckten. Also schnell noch einmal getankt, das Regenzeug an und dann hinein in das Unwetter. Bis Telfs war es noch normaler Regen, dann ging es richtig los. Zum Glück nicht lange, denn schlimmer als die nasse Straße war die Sicht. Dunkel und nass ist einfach nicht ideal zum Motorradfahren. Endlich war es geschafft und bei einem guten bayrischen Essen war das Unwetter schnell wieder vergessen.

26. April 2014    *    Ruhetag im Allgäu
Weiss-blauer Himmel, und eine Landschaft die immer eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt. Zumindest seit ich mich erinnern kann. Ideal um eine kleine Radtour nach Füssen zu machen und ein Weizen zu trinken. Das Motorrad bleibt heute völlig unbenutzt. Auch mal wieder schön.

27. April 2014    *    Von Buching über München nach Bonn    *    GPS Track
Der letzte Tag der Tour. Erstmal noch ein Kurzbesuch bei meiner Tochter in München und dann über die Autobahn nach Hause. Bei Regen und 4° geht es in Buching los, aber schon kurz hinter Steingaden wird es besser. Grund genug, die schöne kleine Strecke über Rottenbuch nach Peißenberg zu wählen. In München dann noch eine Schweinshaxe und ein dunkles Bier zusammen mit Alice und Jan im Augustiner Wirtshaus in der Nähe des Stachus. Danach ab auf die Autobahn. Um 19:30 bin ich dann wieder zu Hause (davon hab ich zwei: Bonn und Buching).Insgesamt waren es wieder einmal 3.400 Km. Zumindest auf meinem Tacho. Das Navi zeigt knapp 2.900 Km. Auch wenn man mal die zwei Stellen berücksichtigt, wo der Akku leer war, kommt man auf nicht mehr als 3.000 Km. Die Ursache muss eine andere sein: Ich habe Anfangs alle 1.000 und später alle 500 Meter eine Position geloggt. Das sieht man auch gut, wenn man sich bei den Kartenausschnitten hinein zoomt. Die Kurven, und davon gab es viele, fallen weg. Das muss dann wohl die fehlenden 10% ausmachen. Für euch wichtig: Zoomt in die Karten hinein um den Reiz der Strecken zu erkennen.

 

Die K1300 R hat sich wieder einmal als ein ideales, völlig problemloses Tourenmotorrad erwiesen. Gerade die im ersten Moment harte Sitzbank stellt sich bei langen Etappen als sehr bequem heraus und bei aller Anstrengung würde ich so eine Fahrt sofort wieder machen. Unglaublich, was man in einer Woche alles sieht und erlebt. So eine Woche dauert doppelt so lange wie eine Arbeitswoche und ich kann nur jedem den Tipp geben, es auch einmal zu versuchen. Es lohnt sich und wenn man dann so einen Bericht schreibt, erlebt man alles noch einmal.

Jetzt geht die Planung für die nächste Tour los. Im Sommer soll es über Österreich und Ungarn nach Rumänien gehen. Dann weiter über Bulgarien und die Türkei nach Griechenland. Von dort dann über Albanien und Kroatien zurück nach Hause. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

 

7 Comments, RSS

  1. Alice 20. April 2014 @ 2:35

    Klingt klasse! Bin auf den nächsten Beitrag gespannt!

  2. Holger 21. April 2014 @ 16:21

    Danke für das Lesevergnügen! Das ist ja fast wie Selbstfahren ohne Schräglage. Wünsche Dir trockenes Wetter und griffigen Asphalt.

  3. Rico 23. April 2014 @ 7:26

    wirklich schöner Bericht, selbst wenn man die Strecke schon viele Male gefahren ist, erlebt man immer etwas Neues. Weiterhin gute Fahrt. Rico

  4. Jakob 23. April 2014 @ 23:05

    Klasse Bericht!

    Bekomme ich richtig Lust mir doch nochmal nen t3 oder t4 zu kaufen und die Strecke nach zu fahren..

    😀

  5. Ralf 19. Oktober 2014 @ 17:59

    Sehr schöner Tourbericht und interessante Bilder !!

    Gruß Ralf

  6. HerBert 11. Dezember 2014 @ 11:37

    Danke für den tollen Reisebericht – hat Spaß gemacht, deiner Reise virtuell zu folgen :-)

    Viel Spaß & tolle Touren wünscht
    Herbert

  7. R.Lange 11. März 2015 @ 19:03

    Hallo

    der bericht ist echt klasse macht weiter so :)

    viele grüße

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