6. August – Durch die Schluchten des Balkan

Mir wird klar, dass mein Zeitplan einen längeren Aufenthalt in Albanien nicht mehr erlaubt. Immerhin möchte ich noch den Peloponnes umrunden, Freunde bei Thessaloniki treffen und in gut einer Woche wieder in Bonn sein. Also bleibt nur eines: Kilometer fressen.

Im Hinterland Montenegros geht es weiter nach Süden. Hier tauchen nun neben den prachtvollen orthodoxen Kirchen auch die ersten Moscheen auf.

p1030410   p1030411

Es ist noch relativ früh am morgen, aber schon ziemlich heiß. Ich halte im Schatten eines Baumes an um mich umzuziehen. Das Feld nebenan ist voll mit Grabsteinen. Dieses uralte moslemische Gräberfeld zeigt an, dass das Land hier über Jahrhunderte vom türkischen Istanbul aus regiert wurde.

p1030412   p1030416

Weiter geht es. Nach ein paar Kilometern das nächste Photomotiv: Eine Schildkröte mitten auf der Straße. In aller Seelenruhe spaziert sie auf die andere Straßenseite. Ein Bild, dass mir in den nächsten Tagen immer wieder begegnet. Bestimmt nicht angenehm, in einer Kurve mit dem Motorrad über so ein Hindernis zu fahren.

img-20160806-wa0004

img_20160806_093421

Ganz nett, das Sprachgewirr in dieser Gegend zu beobachten. Deutsch, Italienisch, Slawisch, ….. Alles findet sich hier.  Montenegro ist tatsächlich kurzweilig. Es gibt viel zu beobachten und die Zeit vergeht wie im Flug.

 

 

 

In Albanien halte ich im ersten größeren Ort an, wechsle Geld und trinke einen Kaffee. Ich rätsele, was „Thjesht me e mira“ wohl heißt. Google hilft: „Einfach der Beste“.img_20160806_122206

p1030418

Weiter geht es über die Autobahn an Tirana vorbei. Es ist unglaublich heiß. Pause folgt auf Pause. Ich bin unkonzentriert und frage mich schon, ob diese Kilometerfresserei Sinn macht. Vielleicht sollte ich lieber die Tour abkürzen? Aber klar, das tue ich dann doch nicht :) ! Also weiter. Am nächsten Rastplatz geschieht es. Ich passe eine Sekunde nicht auf und bleibe an einer Stelle mit etwas Kies stehen. Der rechte Fuß rutscht weg und die schwere Fuhre kippt um. Keine Hilfe weit und breit. Am Ende ist es gar nicht so schwer, die Guzzi mit all dem Gepäck wieder aufzurichten und es ist auch nichts kaputt gegangen, aber der Vorfall hat mich gelehrt, dass man alleine doch verdammt alleine ist und aufpassen sollte.

Irgendwann biege ich wieder in die Berge ab. Bei angenehmeren Temperaturen geht es durch eine herrliche Gebirgslandschaft weiter nach Griechenland.

p1030421

p1030424

Es dämmert schon, als ich bei Melissopetra die Grenze überquere. Nun schnell ein Plätzchen zum Schlafen finden. Hier im Gebirge ist das gar nicht so einfach. Erst suche ich einen Campingplatz, finde aber keinen. Dann freunde ich mich mit dem Gedanken an eine Pension an. Finde aber auch keine. Also irgendwo auf eine Wiese das Zelt aufbauen. Aber so einfach ist das nicht. Inzwischen ist es nämlich dunkel. Und zwar so richtig. Kein Mond, keine Sterne. Dafür Gewitterwolken, die nichts gutes verheißen. Ich entscheide mich, „noch eben“ nach Igoumenitsa zu fahren. Bei den ersten Regentropfen wird die Straße spiegelglatt. Ich trage die Guzzi um die Kurven. Aber insgesamt habe ich Glück. Bevor das Gewitter richtig losgeht, habe ich den Campingplatz erreicht, das Zelt aufgebaut und sitze in der Taverne bei Wein und Souvlaki. Nach 650 Km überwiegend auf Landstraßen und mit zum Schluss ziemlich schlechten Bedingungen bin ich todmüde. Das Gewitter in der Nacht bemerke ich gar nicht. Wohl aber am nächsten Morgen die ganzen nassen Klamotten, die ich draußen hatte liegen lassen.

Your email address will not be published.