9. August – Auf der Mani Halbinsel

P1030521Ein unendlich langer, interessanter, schöner Tag beginnt mit einem Dorn im Fuß. Nicht schlimm, aber eine Weile dauert es schon, bis ich ihn draußen habe. Ursache waren diese scheußlichen Dornen, die überall um mein Zelt herum liegen.

Endlich Sommer! Es wird schnell heiß. Aber nicht nur körperlich, sondern auch im Geist. Ich habe vergessen zu tanken! Wie lang mag ich noch haben? 10 km, 20 km? Jedenfalls wird es mir mit jedem gefahrenen Kilometer heißer. Als ich endlich eine Tanke erreiche, funktioniert sie nicht. Ich warte geduldig, bis sie wieder repariert ist. Jetzt weiß ich auch, dass die 32 Liter tatsächlich in den Tank passen ;). Und danach: Hinter der nächsten Kurve eine riesige Tankstelle. Nee, nee, nee.

Aber alles nacheinander. Die Straßen werden kleiner. P1030522Sieht aus wie früher. Ich fahre tatsächlich durch bekanntes Gebiet. Nach so vielen Jahren! Es hat sich eine Menge geändert, aber die wesentlichen Merkmale sind gleich geblieben, wie diese kleine Kirche. Wo wir damals an einem einsamen Strand geschlafen haben ist heute ein kleiner Ort. Auch Hotels sind neu entstanden aber sie betten sich in die Landschaft ein, als wären sie immer schon da gewesen.

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Die Sonne steht hoch, hier ganz im Süden Europas. Kaum Schatten, die hellen Karstfelsen und das Zirpen der Grillen erzeugen eine unvergleichliche Stimmung.

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Olivenhaine und kahle Berge wechseln sich ab. Aber ganz gleich wie trocken der Boden auch ist, es gibt immer Pflanzen, die sich auch hier zwischen den Felsen noch wohl fühlen.

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Beim Tanken in Areopoli komme ich mit einer Deutschen ins Gespräch, die seit Jahren hier lebt. Sie erzählt mir, dass in dieser Gegend viele Deutsche ein Haus hätten. Die Mani war in den 1970-zigern so etwas wie ein Aussteigerparadies. Die damaligen Besucher sind später zurück gekehrt und haben sich die Häuser gebaut. Aber anders als in den touristischen Hochburgen wurde auf der Mani speziell von dieser Gruppe darauf geachtet, das Ganze sanft und landschaftsverträglich zu gestalten. Ich kann nur sagen: Gut gelungen, die Halbinsel hat ihren Reiz bewahrt.

Eigentlich wollte ich die Tropfsteinhöhle bei Pyrgos Dirou besuchen. Habe ich als sehenswert und völlig einsam gelegen in Erinnerung. Damals wies nur ein Holzbrett mit handgeschriebenen griechischen Buchstaben den Weg. Jetzt sind Scharen von Menschen auf der Fahrt dorthin.

P1030546Ich entscheide mich, lieber die Landschaft zu genießen und fahre über die Berge auf die östliche Seite der Halbinsel. Hier ist es total ruhig. Drei Häuser, eine Taverne, ein kleiner Strand. Schön. Die Ruhe überträgt sich auf Mensch und Tier. Hier kann man entspannen. Auch meine Stimmung passt sich an und ich bedauere, mir einen so engen Zeitplan gesetzt zu haben. Ich bin sicher, dass diesmal keine 40 Jahre vergehen, bis ich wieder komme.

So fahre ich langsam weiter nach Norden und suche mir meine Route über kleine Wege am Meer entlang. Oliven- und Feigenbäume prägen die Landschaft. Das Navi gibt mir nur noch einen groben Anhalt, wo es her geht. Hin- und an verfahre ich mich und gerate auf ausgewaschene Feldwege.

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Die Tavernen am Meer sind die Verlockung schlechthin.

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Aber ich kann ja nicht alle 30 Minuten essen! So widerstehe ich. 1-mal, 2-mal, 3-mal. Dann ist die Willenskraft dahin.  Direkt am Straßenrand eine Taverne, nicht größer als eine Garage aus der die köstlichsten Gerüche dringen! Entscheide mich trotzdem nur zu einem griechischen Salat und einem Schluck Retsina. Passt zu der Hitze.

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Die Anziehungskraft von Tavernen und Wein scheint mir nicht unproblematisch zu sein. Schon gestern Mittag kamen mir Autos entgegen, bei denen ich dachte, sie seien führerlos und die automatische Steuerung nicht auf entgegenkommende Motorradfahrer programmiert. Wenn man dann sieht, dass in dieser Taverne jeder mindestens einen Liter Wein getrunken hat und danach putzmunter ins Auto gestiegen ist, hat man plötzlich noch eine zweite Theorie ….

Durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit der ein oder anderen technischen Hinterlassenschaft geht es weiter.

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Das Wetter ändert sich wieder einmal. Die windstille, trockene Hitze wird innerhalb weniger Minuten abgelöst durch schwüle Luft mit starken Wind. Am Horizont türmen sich schwarze Wolkenberge. Wieder einmal zieht ein Gewitter auf.

Aus irgendeinem Grund habe ich mir aber vorgenommen, heute noch ein paar Kilometer zu machen und ungefähr bis Leonidi an der Ostküste des Peleponnes zu kommen. Kurz bevor es in die Berge geht, halte ich an diesem riesigen Olivenbaum an um die Karte zu studieren. Wie viele Gewitter mag er wohl schon er- und überlebt haben!

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Noch rund 60 km bis ich wieder am Meer bin und dort ganz bestimmt einen Campingplatz finde. Das sollte auf alle Fälle zu machen sein. Also trotz Gewitterwolken weiterfahren! Ich nähere mich einem Pass auf rund 1.300 Meter Höhe. Die Temperatur fällt von 40 Grad auf 12 Grad. Kurz bevor ich oben ankomme, beginnt es zu regnen und zu blitzen. Aber wie! Ich rette mich unter eine riesige Zeder. An ein Weiterfahren ist nicht zu denken. Aber ich habe Glück im Unglück. Die Wohnmobilfahrer, die sich hier für den Abend eingerichtet haben, geben mir für die nächsten Stunden Unterschlupf.

Als das Gewitter aufhört, ist es dunkel, und ich frage mich, wo ich die Nacht bleiben werde. Hier oben findet sich nirgends ein geeignetes Plätzchen für mein Zelt und ich beschließe, noch ans Meer zu fahren. Es wird eine schaurig schöne Fahrt! In der ganzen Gegend ist der Strom ausgefallen, die Orte sehen gespenstisch aus. Die Menschen laufen mit Taschenlampen und Kerzen herum. Dann kommt noch ein beeindruckender Pass hinunter in einen gewaltigen Canyon. Überall auf der Strasse liegt Geröll. Ein großer Felsblock blockiert die halbe Fahrbahn. Ich bin froh, als ich schließlich nach einer endlos erscheinenden Fahrt einen Campingplatz am Meer finde. Auch hier kein Licht und ich muss das Zelt auf der nassen Wiese im Schein der Taschenlampe aufbauen.

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